Am hellen Tag sehen wir
einzelne Dinge nur verschwommen,
in farbigem Durcheinander.
Ihre Welt liegt versunken
in einer Flut von Wirklichkeit
und fraglosem Erscheinen.
Was klar und deutlich vor Augen ist,
bleibt in Wahrheit meist verborgen.
–
Diese Aufnahmen sollen das Verborgene zeigen:
die Realität in der Wirklichkeit.
Ihr Ort ist die Grenze; ihre Zeit:
einsetzende Dunkelheit.
–
Bei Dämmerung,
vereinzelt durch die hereinbrechende Nacht,
beginnen sich Formen leise voneinander zu lösen.
Alle Farben versammeln sich wieder
und verdichten sich zu einzelnen Gestalten,
gespenstisch schwebend im schwindenden Licht.
Hier ein Gerippe, dort ein dürrer Ast,
im geborgten Glanz der untergehenden Sonne
erwachen sie zu neuem Leben.
Je weniger wir die Dinge erkennen,
desto mehr sehen wir sie.
In absoluter Dunkelheit
ahnen wir das Fernste.
Martin Raaflaub